Der Pāli-Kanon

Mahakassapa. Tocharische Höhlen-Malerei, Kizil-Höhle, nahe Kucha, China, 6.-7. Jh. Museum für Ostasiatische Kunst, BerlinDahlem

 

Das, was wir heutzutage als „buddhistischen Kanon“ bewahren, ist in Art und Umfang etwas Gewachsenes. Zu Buddhas Zeit war es üblich, dass Texte auswendig gelernt und so überliefert wurden. Diese Tradition gibt es auch heute noch. Eine erste Textsammlung fand statt kurz nach dem Eingang des historischen Buddha ins vollständige Erlöschen (Parinibbāna) . Das war im Jahre 483 v.u.Z. Neueste wissenschaftliche Studien verlegen dieses Datum um 80 bis 120 Jahre nach vorn. Der altehrwürdige Mönch Kassapa, der als strenger Asket galt, berief dieses Konzil ein, weil nicht nur er der Meinung war, dass nur so einem Verfall der buddhistischen Lehre entgegengewirkt werden könnte. Die Erzählung von diesem ersten Konzil kann man im Buch „Die kleine Gruppe“ aus dem Vinaya-Piṭaka, dem Korb der Ordensregeln, nachlesen (Abschnitt XI).

Die ersten Aufzeichnungen der Lehrreden erfolgten etwa 100 v.u.Z. auf speziell präparierten Palmblatt-Streifen. Die Schrift wurde hineingeritzt und dann mit einer Paste aus Ruß und Öl eingefärbt. Diese Streifen wurden mit einem Faden zusammengebunden und anfangs in Körben aufbewahrt, daher Ti-Piṭaka („Drei-Korb“).